Blutegel-Therapie

Das Wort "Egel" stammt aus dem Griechischen (echis = griech. kleine Schlange) ab.
Die Therapie mit Blutegeln zählt zu den ausleitenden Verfahren. Dabei werden ein oder mehrere Blutegel (Hirudo officinalis oder Hirudo medicinalis) an einer geeigneten Stelle angelegt. Die entnommene Blutmenge beträgt ca. acht bis zehn Milliliter. Durch die im Speichel der Egel enthaltenen gerinnungshemmenden Substanzen (Heparin und Hirudin) kommt es zu einer weiteren Nachblutung.

Indikationen für eine Blutegelbehandlung sind u. a.:

    * Narben und schlecht heilende Wunden
    * entzündliche Prozesse, beispielsweise bei Arthrose
    * chronische Schmerzen (Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfall)
    * Durchblutungsstörungen, Krampfadern, Thrombosen
    * Prellungen, Blutergüsse
    * Zerrungen, Verstauchungen, Muskelfaserrisse
    * Hämorrhoiden
    * Arteriosklerose
    * Myalgien, Ischialgien
    * Nebenhöhlenentzündungen
    * Tinnitus
    * Migräne
    * Asthma
    * Furunkel, Abszesse
 

Hintergründe zur Therapie mit Blutegeln

Die Blutegel-Therapie ist ein sehr altes Verfahren. Zum Beispiel wird Dhanvantari, die indische Gottheit des Ayurveda (eine jahrtausende alte traditionelle Heilkunst), mit einem Blutegel in einer Hand dargestellt.

Die Menschen der Steinzeit behandelten auch mit Blutegeln, Nachweise für ihre Verwendung finden sich in den Keilschriften der Babylonier.

Auf Wandbildern von altägyptischen Gräbern sind Darstellungen von Blutegeln gefunden worden und die Germanen verwendeten für “Heiler” und “Blutegel” das gleiche Wort. Im mittelalterlichen England wurden die Heiler “leecher” (leeches = engl. Blutegel) genannt.
 
 Wenngleich die Blutegel-Therapie eine sehr alte ist, hat sie nichts an ihrer Wirkung und ihrem weiten Einsatzbereich verloren.

Der Blutegel

Der medizinische Blutegel ist ein Ringelwurm und mit dem bekannten Regenwurm verwandt. Er hat am hinteren Körperende einen Saugnapf, mit dem er sich festhält, am Kopfende befindet sich der Mund. Dieser hat eine Saugöffnung und insgesamt drei strahlenförmig angeordnete Kiefern, die jeweils über 80 Kalkzähnchen verfügen (insgesamt also 240 Zähnchen). Während der Egel an Land seine Saugnäpfe zur Fortbewegung benutzt, ist er im Wasser in seinem Element. Er ist ein sehr geschickter und flinker Schwimmer, seine Bewegungen gleichen denen eines Delphins.

Blutegel stehen in Deutschland unter Naturschutz. Für den medizinischen Gebrauch werden sie von Spezialanbietern unter strengen hygienischen Bedingungen gezüchtet. Jeder Blutegel wird nur einmal genutzt. Die Egel werden von den Züchtern zurückgenommen und in einem Teich ausgesetzt (“Rentnerteich”).

Während des Saugens sondert der Egel Speichel in die Wunde ab, der dafür sorgt, dass die Wunde offen bleibt und das Blut nicht gerinnt. Hat der Egel nach ca. 30 bis 60 Minuten fertig gesaugt, lässt er von selbst los. Er ist nun etwa dreimal so schwer wie vorher und erst nach einer Woche wieder schwimmfähig. Das Blut wird über einen Zeitraum von ca. 1 ½ Jahren verdaut.

Blutegel

Blutegel beim Einsatz

Dhanvantari